Hitzler Werft GmbHInnovativer Hansebelt

Mit Spezialschiffen in die Zukunft

Die Hitzler Werft in Lauenburg hat 2025 ihr 140-jähriges Bestehen gefeiert und ist für die Zukunft gut gerüstet. Auch dank eines kongenialen Vater-Sohn-Duos, das heute Spezialschiffe und mit Biomethan angetriebene Fähren baut.

Marek Klimenko mit Mütze und Kai Klimenko mit weißem Schutzhelm vor einem gelben Werftkran mit der Aufschrift Hitzler Werft

Marek Klimenko und Kai Klimenko (rechts) leiten die Hitzler Werft. Foto: Jörn Arfs

Keine Übernahme-Kandidaten aus den Reihen der Gründer und Gesellschafterinnen in Sicht, nicht realisierbare oder absurde Zukunftsvisionen wie die Verwandlung in einen reinen Reparaturbetrieb, einen Lkw-Umschlagplatz oder einen Kletterpark in der Schiffbauhalle: Der wohl südlichsten Firma Schleswig-Holsteins, 50 Kilometer südöstlich von Hamburg direkt an der Abzweigung des Elbe-Lübeck-Kanals gelegen, erging es wie vielen Familienunternehmen in schwierigeren Zeiten. Nach acht Jahren zermürbender Nachfolger-Suche und einem Investitionsstau übernahm schließlich der Leiter der eigenen Konstruktionsabteilung im März 2021 die Kommandobrücke.

Marek Klimenko: von Danzig nach Deutschland

Kaum einer kennt die Werft besser als Marek Klimenko. 1989 kam er mit 27 Jahren aus Danzig nach Deutschland und ein Jahr später zur Hitzler Werft. Seine Schiffbautechnikerausbildung in Polen wurde jedoch nicht anerkannt und so begann er bei Hitzler als ABM-Kraft im Modellbau. Er musste nach eigener Aussage „Tag für Tag überzeugen“, arbeitete sich aber schnell hoch und gewann den geschäftsführenden Gesellschafter Franz Hitzler als Fürsprecher.

Der gläubige Katholik ist noch heute jeden Morgen um sechs Uhr im Büro und gilt als begnadeter Konstrukteur. Seine Augen leuchten, wenn er von den Schiffen spricht, die unter seiner Ägide gebaut wurden. Von den insgesamt 839 Neubauten der Firmenhistorie nennt er 49 seine „Babies“, rund 250 weitere Schiffe hat er im Auftrag für andere Unternehmen konstruiert. Wie zum Beispiel den stärksten jemals in Deutschland gebauten Hochseeschlepper „ALP Guard“, der weltweit bekannt wurde, weil er 2021 das im Suezkanal havarierte Containerschiff „Ever Given“ freilegte.

Motor der regionalen Wirtschaft

Der 64-jährige Schiffbauer teilt sich den Chefsessel mit seinem Sohn, der vor fünfeinhalb Jahren im Alter von 25 die kaufmännische Geschäftsführung übernahm. Kai Klimenko hatte eigentlich eine andere Karriereplanung. „Doch am Ende meines BWL-Studiums habe ich erkannt, dass ich nicht als Berater mein ganzes Leben mit Excel-Tabellen verbringen und Leute entlassen möchte“, so der Juniorchef.

Zwei Schlüsselerlebnisse hätten ihn schließlich zum „Wechsel in die Industrie“ bewogen. Als er seinem Vater bei der Reparatur seines Sportboots half, sei ihm bewusst geworden: „In unserer Helgenhalle wurde geschweißt und gebrannt, da entstanden und wuchsen fertige Produkte, das hat mich fasziniert!“ Und Kai Klimenko spürte die große Bedeutung der Werft als Arbeitgeber und Motor der regionalen Wirtschaft: „Nahezu jeder, gerade unter den älteren Lauenburgern, hat irgendeine Geschichte über uns zu erzählen. Und wenn es nur um einen bei Hitzler gekauften Gartenzaun oder um eine bei uns gefertigte Schaukel geht.“

In seinem Businessplan hatte für den 30-Jährigen der Erhalt aller Arbeitsplätze oberste Priorität. 20 Prozent der Beschäftigten sind miteinander verwandt, dem Fachkräftemangel versucht die Geschäftsführung mit einer Ausbildungsplatzgarantie für Kinder von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern abzuhelfen. Allerdings werde eine Schiffbauer-Ausbildung an Berufsschulen immer weniger angeboten, beklagt Kai Klimenko.

Dass sein Vater, der selbst noch bis 70 arbeiten will, ihn bei der gemeinsamen Übernahme schon als seinen Nachfolger präsentieren konnte, sicherte der Werft nach anderthalb Jahren zäher Verhandlungen den dringend benötigten Bankkredit. Größter Investitionsbedarf: eine Modernisierung und Optimierung der Slipanlagen, mit der Schiffe zu Wasser gelassen oder an Land gezogen werden.

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Unternehmerische Weitsicht, technische Exzellenz und Innovationskraft ziehen sich wie ein roter Faden durch die 140-jährige Geschichte des Familienunternehmens.

Entwicklung hochwertiger Spezialfahrzeuge

Unternehmerische Weitsicht, technische Exzellenz und Innovationskraft ziehen sich wie ein roter Faden durch die 140-jährige Geschichte des Familienunternehmens. Ob Bunkerboote, Schlepper, Eisbrecher, Tonnenleger, Bohrinselversorger oder Küstentanker: Die Binnenwerft an der Mittelelbe war und ist einer der flexibelsten deutschen Werften für Schiffsneubauten und aktuell besonders im Markt kleiner, hochwertiger Spezialfahrzeuge sehr etabliert. Mit dem „Hitzler-Ruder“ für eine verbesserte Steuerungsfähigkeit, der Schiffbaupresse „Elefant“ oder einer „Stampfanlage“ für Eisbrecher führten die Hitzler-Ingenieure zahlreiche technische Neuerungen ein, von denen viele patentiert wurden.

Fast euphorisch fällt das Urteil des schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministers Claus Ruhe Madsen aus: „Hitzler ist einer der Hidden Champions unter den Werften im norddeutschen Raum. Das gilt nicht nur für Bau und Reparatur, sondern auch für die Konstruktion fast jedes gewünschten Schiffstyps.“ Dafür leistet man sich den Luxus eines eigenen Konstruktionsbüros und entwirft statt Standard-Schiffen Unikate und Prototypen. Außerdem verfügt Hitzler im Vergleich zur Konkurrenz mit der 1985 errichteten, 140 mal 40 Meter großen „Helgenhalle“ über eine witterungsunabhängige und für fast alle Arten von Aufträgen taugliche Produktionsstätte, die selbst einer Seewerft gut zu Gesicht stünde; kleiner Schönheitsfehler: Die Halle ist durch den Elbe-Lübeck-Kanal von den übrigen Betriebsteilen getrennt.

Trotz Werftensterbens an der Küste und Corona-Pandemie: Die Zwischenbilanz der Familie Klimenko für ihre ersten fünfeinhalb Jahre fällt sehr positiv aus. Zwei Schiffe wurden gerade abgeliefert, drei sind im Bau, der Reparaturbetrieb ist mit 150 Schiffen im letzten Jahr ausgelastet. 2021 hatte die Werft 46 feste, heute sind es 68 eigene plus etwa dieselbe Zahl projektbezogener Mitarbeiter. Bei ihrem Ziel „nachhaltige Produktion“ sehen sich die Inhaber „voll auf Kurs“. Marek und Kai Klimenko setzen auf energieeffiziente Bauweisen, hybride, dieselelektrische Antriebslösungen, alternative Treibstoffe und am Ende emissionsarme Schiffe.

IN ZAHLEN

0 Jahre

Firmengeschichte, 2025 gefeiert

0

Neubauten in der Firmenhistorie

0

Schiffe im Reparaturbetrieb im letzten Jahr

0

feste Mitarbeiter heute, 2021 waren es 46

Bau des Forschungsschiffes „Coriolis“

Wie einen Ritterschlag nach dem Eigentümerwechsel empfanden die Klimenkos den Bau des Forschungsschiffes „Coriolis“. Das vom Helmholtz-Zentrum Hereon in Geesthacht in Auftrag gegebene Spezialschiff mit wasserstoffelektrischem Antrieb erregte bei seiner Ablieferung im Frühjahr 2024 große Aufmerksamkeit. Ein anderes Prestigeobjekt ist die weltweit erste mit Biomethan angetriebene Fähre, die noch in diesem Jahr zwischen Amt Neuhaus und Bleckede auf der Elbe verkehren soll. Hitzler hatte eine europaweite Ausschreibung des Landkreises Lüneburg gewonnen.

Forschungsschiff Coriolis fährt mit weißer Bugwelle über die Nordsee, Luftaufnahme

Das Forschungsschiff „Coriolis“ bei einer Testfahrt auf der Nordsee. Foto: Hereon/Steffen Niemann

Neuester Coup: Die Werft wird ein batteriebetriebenes Seezeichenmotorschiff für das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe-Nordsee mit einer Stationierung auf Amrum bauen. „Alle drei Projekte sind Belege dafür, dass Spezialschiffbau in Deutschland möglich ist und eine Zukunft hat“, sagt Kai Klimenko. „Aber“, fügt er gleich hinzu, „nur, solange man selbst kreativ, die Bürokratie einigermaßen kooperativ und die Elbe schiffbar bleibt.“ Auf diese Herausforderungen können Vater und Sohn allerdings kaum Einfluss nehmen.

Autor: Dr. Jörn Arfs · freier Journalist · redaktion@luebeck.ihk.de

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Wirtschaft im Hansebelt – Das Magazin der IHK zu Lübeck

Ausgabe Oktober / November 2026

Mit Spezialschiffen in die Zukunft