BUCHTIPPS
FRANZISKA HAMPEL, INSELBUCHHANDLUNG SONNENSEITEN, FEHMARN
Franziska Hampel ist seit 2022 Inhaberin der Inselbuchhandlung Sonnenseiten auf Fehmarn und im Netz.

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FÜR DEN SCHREIBTISCH

„Toxische Weiblichkeit“ von Sophia Fritz sollten alle Geschlechter lesen. Es geht um ein neues Miteinander: um Ehrlichkeit, Vertrauen und Unterstützung. Der Titel irritiert zunächst. Die Autorin beschreibt, wie wir im patriarchalen System Verhaltensweisen entwickeln, um zu bestehen, und wie auch Frauen dabei unbewusst Rollen reproduzieren. Sie betont, dass sie den Begriff feministisch besetzt, um Strukturen sichtbar zu machen: anhand von fünf kulturell geprägten misogynen Fremdbezeichnungen wie dem „guten Mädchen“ oder der „Powerfrau“. Beeindruckend ist ihre selbstkritische, offene Haltung: Sie erkennt die Muster, versteht sie theoretisch und ringt trotzdem in der Praxis. Das Buch wirkt nach. Ich ertappe mich, wie ich als Angestellte einst das angepasste „gute Mädchen“ war und bei Widerstand beschämt wurde. Übrigens von beiden Geschlechtern! Das Gefühl, das blieb: nie richtig zu sein. Vielleicht ist die Selbstständigkeit eine Flucht aus dem System, doch Verhaltensweisen sitzen tief: Das „Mädchen 2.0“ tarnt sich heute als „Powerfrau“. Dieses Buch stellt Fragen, liefert keine Lösungen. Denn die müssen wir wohl selbst finden. Wenn wir mutig sind! Und ich frage mich: Wie können wir gleichberechtigt leben – ohne weibliche und männliche toxische Muster?
FÜR DAS SOFA

„Am Grund des Himmels“ von Mariette Navarro habe ich zweimal gelesen – vor und nach „Toxische Weiblichkeit“. Und was soll ich sagen? Meine Perspektive hat sich verändert. Die Wahrnehmung ist feiner, offener geworden. Auch hier geht es um Befreiung aus starren Strukturen. Claire, das „Mädchen vom Land“, hat es bis in den führenden Konzern der Hauptstadt geschafft. Irgendwann hat sie genug vom Korsett aus Blicken, Regeln und Erwartungen. Sie hat das Gefühl zu ersticken. Eines Tages steigt sie durch eine Luke aufs Dach, sucht Luft. Niemand vermisst sie. Dann bricht der Sturm los, und wie schon lange nicht mehr spürt sie ihren Körper. Sie hält stand. Doch als sie zurückwill, ist die Luke zu. Mariette Navarro lässt uns mit sprachlicher Wucht und klaren, oft überraschenden Bildern den Moment miterleben, in dem Pflichten abfallen und Raum für das Eigene entsteht. Ein Roman über das Wagnis, einmal stehen zu bleiben, einfach zu sein. Wie wäre es, das Leben als Reise zu betrachten, nicht als Karriereleiter? Vielleicht sollten wir zuerst bei uns selbst ankommen. Für ein neues, besseres Miteinander. Romane wie dieser öffnen Türen und Gespräche. Suchen Sie das Gespräch in Lesekreisen und in Ihrer Buchhandlung vor Ort! Und eines ist klar: Das Patriarchat ist kein Sturm im Wasserglas.
