Dr. Monika Hein
Autorin und Coach
Leise sein war gestern
Dr. Monika Hein ermutigt Frauen, ihre Stimme zu erheben und Präsenz zu zeigen. Wie das gelingt und warum jedes Unternehmen davon profitiert, erklärt sie im Interview.
Kommunizieren Frauen und Männer unterschiedlich?
Ja, es gibt unterschiedliche Muster in der Kommunikation. Ich erlebe häufig, dass Frauen einen ausgeprägten Sinn für Harmonie, Empathie und Kooperation haben. Das ist zunächst einmal nichts Schlechtes. Wenn diese Eigenschaften in eine Vorsicht und in Zögern kippen, kann es aber schwierig werden. Darunter leiden dann Klarheit und Effizienz in der Kommunikation – was vor allem für Führungskräfte problematisch sein kann. Generell aber haben Frauen starke Voraussetzungen für einen guten Führungsstil, da Empathie und Fürsorge relevante Eigenschaften für Führung sind. Gerade männlichen Führungskräften mit starker Handlungsorientierung fehlt oftmals eine empathische Sicht auf die Dinge.
Haben gemischte Teams einen Vorteil?
Nicht immer. Es braucht von beiden Seiten die Bereitschaft, sich in der Kommunikation zu öffnen und sich inspirieren zu lassen. Gerade ältere Herren werten einen empathischen Blick auf berufliche Themen teilweise immer noch als „Mädchenthema“ ab. Solange es solche Bewertungen gibt, haben wir ein Problem in der Kommunikation. Mixed Leadership ist eine wichtige Zukunftskompetenz für Unternehmen. Dafür sollte jede Führungsetage offen sein.
Wie können Männer ihre Kommunikation ändern?
Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Es sind schließlich nicht die Frauen, die sich anpassen oder gefördert werden müssen. Häufig sind es vor allem Männer, die einen Schritt machen müssen, um ihre Kommunikation zu verändern und mehr weibliche Teilhabe zuzulassen. Von dem Patriarchat profitiert langfristig niemand von uns, das zeigen diverse Studien. Und ja, es ändert sich tatsächlich schon etwas: dass derzeit männliche Klienten vermehrt über ihre Gefühle im Job sprechen. Hier liegt unfassbar viel Kraft und Potenzial für eine gesunde Unternehmenskultur.
In Ihrem Buch „Speak Up and Shine“ geht es um Female und Vocal Empowerment. Was hat es damit auf sich?
Das Buch fußt auf der These, dass es keinen logischen Grund gibt, warum Frauen ihre Klappe halten sollten. Ich möchte Frauen ermutigen, ihre Stimme zu erheben und Präsenz zu zeigen. Dabei geht es also nicht nur um Durchsetzungskraft, sondern um eine Art neues, positives Machtverständnis von Frauen: Jede Stimme zählt – und jede Stimme soll gehört werden. Die Vocal-Empowerment- Methode kombiniert Stimm- und Präsenzentwicklung mit Erkenntnissen aus Psychologie und Coaching. Im Mittelpunkt steht der innere und äußere Soundtrack. Beim inneren geht es darum, zu erkennen, was Menschen einerseits ausbremst, aber auch darum, zu ermitteln, was sie andererseits stark macht. Beim äußeren Soundtrack liegt der Fokus auf dem Klang der Stimme und dem Auftreten. Ich gebe allen Frauen die Formel für eine starke Stimme an die Hand: Be unapologetic!